Funktionale Leistungsbeschreibung

Mit der funktionalen Leistungsbeschreibung tut der Bauherr dem offerierenden Unternehmer kund, welche Leistungsziele er von ihm erwartet:

Definition

  • Funktionale Leistungsbeschreibung   =         mittelbare Umschreibung der technischen Arbeitsergebnisse und damit nur die Leistungsziele, die der Bauherr vom Unternehmer erwartet

Abgrenzung

  • Gegenstück zur „funktionalen Leistungsbeschreibung“ ist die „detaillierte Leistungsbeschreibung“
  • Bauherr erteilt „Zielanweisungen“ anstatt „detaillierte Fachanweisungen“

Gegenstand

  • Beschreibung des vollendeten Bauwerks (anstatt seiner Einzelteile)
    • Beschreibung der Gebrauchstauglichkeit des vollendeten Bauwerks
      • Bauherr überlässt es so dem Unternehmer, die unmittelbaren Bauleistungen selber im Detail zu planen
  • Leistungsziele als Mindestanforderungen
    • Der Bauherr kann Mindestanforderungen als Leistungsziele formulieren

Qualifikation

Normalfall

  • Festlegung der Leistungsziele des Unternehmers

Alternative

  • Abschluss von Eigenschafts- oder Gebrauchsvereinbarungen

Kautelen der funktionalen Leistungsbeschreibung

Festlegung der Zwecke bzw. Funktionen der fertigen Leistungen des Unternehmers

  • innere Eigenschaften
    • zB Tragfähigkeit der Böden
    • zB Betonqualität
    • zB Trittschallisolation
  • Umschreibung bestimmter Merkmale des Werkes
    • zB Systemgarantien
    • zB Verfügbarkeitsgarantien

Einbindung des Unternehmers in die Projektierung

  • Unternehmer trägt das Vollständigkeitsrisiko seiner Projekt-Detailbearbeitung
  • Unternehmer trägt in der Folge auch das Kostenrisiko (Kosten- und Angebotskalkulation)
  • Vollständigkeitsklausel
    • Ausdrückliche Verabredung der Tragung des Projektierungs-, Vollständigkeits- und Kostenrisikos, zur Ausräumung von vorgeschützten Missverständnissen
    • Unternehmer trägt daher Risiken, mit den Folgen
      • Keine Mehrvergütung
        • Unternehmer kann keine Mehrvergütung verlangen, wenn die von ihm gewählte Bauausführung mehr Leistungen notwendig machte, als angenommen
      • Terminverantwortung für Bauwerkablieferung
        • Unternehmer übernimmt die Verantwortung für die Bauwerksablieferung innert der vereinbarten Bauzeit
      • Mängelhaftung für eigene Detailbearbeitung
        • Unternehmer haftet für die Mängel seiner eigenen Detailbearbeitung bzw. konstruktiven Bearbeitung

Erfordernis der genauen vertraglichen Schnittstellen-Festlegung, d.h. wo die Verantwortung des Bauherrn endet und jene des Unternehmers beginnt

  • Vertragsabrede, auf welche Informationen und Unterlagen des Bauherren bzw. seiner Hilfspersonen (Architekt (Planer), Ingenieur, Geologe, Statiker, Fachplaner (zB H/L/S) usw.) der Unternehmer abstellen darf und welche er zu überprüfen hat
  • Anwendungsfall
    • Pläne als verbindliche Grundlage?
    • Pläne als blosse Erläuterung der Leistungsziele des Bauherrn?
  • Vorbehalt
    • Pläne sind nicht in konstruktiver Hinsicht, sondern nur in gestalterischer Hinsicht verbindlich

SIA-Norm 118 und „funktionale Leistungsbeschreibung“

  • SIA-Norm 118 ist vor allem auf die „detaillierte Leistungsbeschreibung“ und nicht auf die „funktionale“ zugeschnitten
    • Bei der Werkvertragsgestaltung mit „funktionaler Leistungsbeschreibung“ ist diesem Umstand besondere Beachtung zu schenken, zB durch den Ausschluss oder die Änderung inkompatibler SIA-Normen

Ungenauigkeit bzw. Unvollständigkeit der funktionalen Leistungsbeschreibung

  • Schnittstellenungenauigkeit
  • Unklarheit, ob die Pläne als verbindliche Grundlage oder nur zur Erläuterung der Leistungszeile des Bauherrn zu verstehen sind

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